Chronik

Geschichte der neuapostolischen Gemeinde Pfäffikon 1923 - 1998

Die Anfänge
Getreu den Worten Jesu folgend, gehet hin in alle Welt (Mark. 16,15), haben 1921 Priester Heinrich Bürchler sen., Vater des späteren Vorstehers der Gemeinde Pfäffikon und Diakon Emil Herter damit begonnen, die Kunde vom Erlösungswerk Jesu in das Gebiet rund um Pfäffikon und Fehraltorf zu bringen. Ihre Bemühungen trugen bald Früchte. Die Familie Bachofen hat das Zeugnis vom Wirken lebender Apostel freudig angenommen und konnte noch im selben Jahr versiegelt werden. Die ersten Gottesdienste fanden in der Stube der Familie Bachofen statt. Im August desselben Jahres wurde die Familie Ochsner aus Pfäffikon von Geschwistern aus Zürich-Oerlikon in die dortigen Gottesdienste eingeladen. Schwester Ochsner schrieb später einmal: ”Die ersten Gottesdienste besuchten wir in Örlikon und wir marschierten Sonntag für Sonntag etwa 6 bis 8 Stunden. Ich dachte immer, das ist Gottes Werk und, trotzdem wir abends sehr müde nach Hause kamen, waren wir jedesmal getröstet. Einmal diente der Bezirksälteste Plüss in Örlikon, der uns mitteilte, dass in Uster ebenfalls Gottesdienste stattfänden, das sei doch viel näher. Am 2. Oktober 1921 wurden mein Mann und ich in Uster versiegelt.” Leider sind die beiden neuapostolischen Familien aus der Gegend weggezogen, sodass vorübergehend in Pfäffikon keine Gottesdienste mehr stattfanden.

1923 - Es entsteht eine Gemeinde

Aber schon 1923 fanden die Knechte Gottes gläubige Aufnahme bei der Familie Bossert von Bussenhausen bei Pfäffikon. In ihrer heimeligen Wohnstube konnten nun fortan wieder Gottesdienste gehalten werden. 1923 übersiedelten die Geschwister Hunziker nach Freudwil und später die Familie Schneider nach Pfäffikon. Mit dem Errichten eines eigenen Kirchenbuches konnte nun die Gemeinde Pfäffikon auch formell gegründet werden Die Zahl der Geschwister nahm zu und die bewährte Wohnstube wurde als Versammlungsraum zu klein. Nach einigem Suchen gelang es im Jahre 1925 an der Tumbelenstrasse eine Schuhmacherwerkstatt zu mieten. Diese wurde zu einem geeigneten Versammlungsraum  hergerichtet. Die kleine Gemeinde wuchs und auch dieser Raum wurde zu klein. Mit der Einwilligung des Vermieters konnte eine Trennwand entfernt und der Platzmangel zumindest vorübergehend entschärft werden. 1925 wurde die Gemeinde Priester Hunziker aus Freudwil zur Pflege anvertraut. Regelmässig ist er am Sonntagnachmittag von Freudwil nach Pfäffikon marschiert, manchmal begleitet von seinen drei Töchtern, die mit ihm am Morgen die Gottesdienste jeweils schon in Uster besucht hatten. Treue Brüder aus der Gemeinde Uster haben Priester Hunziker in seinem Wirken fleissig unterstützt und die kleine Herde ist stetig gewachsen. Von 1932 – 1938 diente der Gemeinde Priester Hermann Egli aus Uster als Vorsteher. Auch er benützte die damals bei jeder Witterung meist verfügbaren Verkehrsmittel: Schusters Rappen und Fahrrad. 1938 bis 1941 wirkte Priester Jakob Graf aus Pfäffikon als Vorsteher.

1941 - 47 Jahre Vorsteher
Ab 1941 diente Priester Heinrich Bürchler aus Uster als Vorsteher während 37 Jahren, anfänglich auch noch ohne die komfortablen Verkehrsmittel der modernen Zeit, diente er mit ganzer Kraft der Gemeinde. Mit viel Einsatz wurde damals schon die Chor- und Orchesterarbeit gefördert, was wesentlich zur Verschönerung der Gottesdienste beigetragen hat. 1939 zählte die Gemeinde 74 Seelen. Die rege Arbeit der treuen Brüder und Geschwister, die vielen uneigennützigen Opfer waren sichtbar vom Segen Gottes begleitet. Ein schönes Wachstum wurde offenbar. Doch durch den erfreulichen Aufschwung begann die Gemeinde unter den ungünstigen Platzverhältnissen zu leiden und die Lokalfrage wurde immer dringender. Aber auch dafür war schon gesorgt: Bruder Karl Kläui aus der Gemeinde Pfäffikon besass ein Vorkaufsrecht für das an sein eigenes Land angrenzende Grundstück. Dieses stellte er gerne in verdankenswerter Weise dem Bezirksapostel zu Verfügung. Das Grundstück konnte gekauft und eine schmucke, geräumige Kappelle darauf gebaut werden. Mit grosser Freude wurde diese am Pfingstsonntag des Jahres 1962 durch den Apostel Ernst Zimmermann eingeweiht. Er diente mit den Worten: «Ich bin gekommen, dass ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, denn es brennete schon!» ( Lukas 12, Vers 49).

Wirken Gottes in Russikon
In den Jahren 1956 bis 1965 wurden auch in dem oberhalb Pfäffikon gelegenen Russikon jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat am Abend Evangelisations-Gottesdienste gehalten. Man versammelte sich in der Wohnung der Geschwister Oberholzer, wo neben dem Wohnzimmer ein weiterer Raum mit einem Harmonium zur Verfügung stand. Die Türe zum Wohnzimmer konnte ausgehängt werden, sodass Geschwister und Gäste genügend Platz fanden. Einige Sänger und Sängerinnen aus Pfäffikon fanden sich regelmässig und bei jedem Wetter ein. Einige der eingeladenen Seelen haben das zeitgemässe Wirken Gottes erkannt und sind geblieben. Auch heute leben viele der Geschwister aus der Gemeinde Pfäffikon in Russikon. Wie in den Anfängen sind auch in späteren Jahren den Geschwistern in der Gemeinde harte Anfechtungen, grosse Sorgen und mancherlei Nöte nicht erspart geblieben. Doch immer wie der wurde erlebt, wie der Herr die Treuen und Ehrlichen zu segnen weiss. Oft sind aus den Sorgen und Problemen Wunder göttlicher Liebe und Gnade geworden. In den jährlich stattfindenden Kinder- und Gemeindefesten konnte die Gemeinschaft untereinander gefördert werden. Viele gemütliche Stunden haben aber auch dazu gedient, gegenseitiges Verständnis zu fördern und die Einheit zu vertiefen. Dabei haben immer wieder jugendliche Geschwister in besonderer Weise tatkräftig zum guten Gelingen beigetragen und dabei auch die älteren, allein stehenden Geschwister nicht vergessen. Mit viel Liebe wurden sie oft bei Kaffee und Kuchen erfreut, hie und da umrahmt von musikalischen Darbietungen oder auch von den Kindern mit ihren selbst gebastelten Gaben beschenkt.

Missionsarbeit
”Auf die Landstrassen und an die Zäune” (Luk. 14, 23) von Gommiswald sind ab 1981 Geschwister gefahren, um die Weinbergsarbeit im Bezirk Uster zu unterstützen. Auch der 1986 erhaltene Auftrag, sich der Flüchtlinge aus dem Durchgangslager in Amden anzunehmen, hat eine grosse Bewegung in der Gemeinde ausgelöst. Einige opferfreudige Brüder, und womöglich auch aktiv von ihren Gattinnen unterstützt, haben sich mit grossem Eifer und viel Liebe und Hingabe dieser Aufgabe angenommen. Obwohl mit viel Aufwand und Mühen verbunden, waren alle von dieser Arbeit begeistert und freuten sich immer wieder, ehrlich verlangende Seelen kennen zu lernen und da und dort auch etwas helfen zu können. Regelmässige Unterstützung konnte durch verschiedene Brüder auch in den ihrem Apostel anvertrauten Missionsgebieten in der Ukraine und Jersey geleistet werden. Obwohl durch die Erfüllung dieser schönen Aufgaben manchmal Lücken im Gemeindeleben entstanden sind, haben viele wertvolle Impulse, manche Erfahrung und viel Segen zurückfliessen lassen.

Umbau der Kirche
Und das weitere Wachstum zuhause - nach Innen und nach Aussen - ist nicht ausgeblieben! Seit anfangs der neunziger Jahre hat sich erneut Platzmangel in der Kirche bemerkbar gemacht. Infolge ungenügender Räumlichkeiten war es nicht möglich, die vor einigen Jahren eingeführte Vorsonntagsschule durchzuführen. Die Kleinen, die schon gelernt hatten ein wenig still zu sitzen und zuzuhören, durften in die Sonntagsschule. Nur – für die vielen munteren Kinder reichte die bestehende Infrastruktur einfach nicht mehr aus. Der selten gebrauchte Wohnwagen eines Priesters, üblicherweise für Ferienzwecke benützt, fand einen neuen, segensreichen Verwendungszweck als Vorsonntagsschulraum. Die Vorsonntagsschule konnte umgehend eingeführt werden und begeistert nahmen die Jüngsten der Gemeinde ihr neues Revier in Besitz. Gleichzeitig wurden aber auch Pläne für einen Erweiterungsbau gründlich geprüft. Nach einigen Hindernissen wurde anfangs April 1998 mit den Umbauarbeiten angefangen. Das hatte zur Folge, dass die Gemeinde nun für einige Monate die Gottesdienste in Uster besuchte – aber im Gegensatz zu den Erlebnissen früherer Zeit: es gab keine Transportschwierigkeiten! Es war eine schöne Zeit – zusammen mit den ”Uschtemer” Geschwistern – alte Freundschaften sind aufgeblüht und neue sind entstanden. Sehr dankbar darf nun die heute um die 200 Seelen zählende Gemeinde ihr 75jähriges Bestehen im Kleid der neuen schönen Kirche feiern. Sie wurde den veränderten Anforderungen sinnvoll angepasst und bietet verlangenden Seelen eine würdige Versammlungsstätte. Wieviel Segen, Kraft, Trost, aber auch tiefer Friede, Freude und Seligkeit in den vielen Gottesdiensten in den 75 Jahren des Bestehens der Gemeinde hingenommen werden konnte, lässt sich nicht erfassen. Unzählige Opfer wurden erbracht. Sie wurden gekrönt von himmlischem Segen und der grossen Gnade unseres gütigen Gottes und ewigen Vaters. Es bleibt der tiefe Herzensdank im aufrichtigen und frohen Bekennen: Der Herr ist mein Licht, ist mein Licht und ist mein Heil; was fürcht ich noch! Der Herr ist die Kraft meines Leben allein; vor wem sollte mir noch grau’n! Ob das Heer auch der Bösen drohet, ich fürchte mich nicht; ob wild sich Krieg erhebet, auf ihn allein verlass ich mich. Eins nur, ach eines bitt’ ich vom Herrn, eines hätte ich gern: dass ich mög bleiben im Hause des Herrn allezeit. (CM 86, nach Psalm 27, 1) Möge das bisher im Segen Gewirkte und Erlebte weiterleben, das ausgestreute göttliche Leben sich noch mehr entfalten und baldige Vollendung offenbar werden.

Besuch des Bezirksapostels
Am 14. Oktober 2007 bereitete der Bezirksapostel Armin Studer der Gemeinde mit seinem Besuch in Begleitung von Apostel Lang und Bischof Sigrist eine ganz besondere Freude. Er diente unter dem Wort aus dem 5. Buch Mose, Kapitel 30, 19.